
Mitbestimmung stärken – Räume öffnen – Jugendliche ernst nehmen
Mit einem klaren Appell zur Mitgestaltung eröffnete Susanne Ullrich den 5. Fachtag und brachte das zentrale Anliegen auf den Punkt: jungen Menschen mehr Mitmachmöglichkeiten zu geben und echte Beteiligung zu ermöglichen. Damit war der Rahmen gesetzt für zwei Tage voller Austausch, Praxisimpulse und gemeinsamer Reflexion darüber, wie Partizipation im Alltag von Schule und Jugendhilfe gelebt werden kann.
Auch Rahe Zale (SPD) knüpfte in seinem Grußwort daran an und sprach über die Notwendigkeit, Schranken zu durchbrechen – strukturelle ebenso wie gedankliche. Beteiligung bedeute, eine Idee davon zu haben, wie Gesellschaft besser werden kann, und sich aktiv dafür einzusetzen. Sein Wunsch an die Jugendlichen: ihren Weg zu gehen, hartnäckig zu bleiben und sich Beteiligung und Teilhabe zu erkämpfen. Diese Worte unterstrichen, dass Partizipation nicht selbstverständlich ist, sondern Engagement, Räume und Unterstützung braucht.
Was Beteiligung für junge Menschen bedeutet
„Mitmachen“, „Spaßhaben“, „Einander helfen“, „Zusammenhalt“ und „Gebraucht fühlen“ – so beschrieben Jugendliche selbst, was Beteiligung für sie ausmacht. Diese Perspektiven standen im Zentrum des Fachtags. Sie zeigen deutlich: Partizipation ist kein abstrakter Begriff, sondern eng verbunden mit Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit und dem Gefühl, ernst genommen zu werden.
Beteiligung bedeutet für junge Menschen, ihren Alltag aktiv mitzugestalten – in der Schule, im Kiez und darüber hinaus. Sie wollen Verantwortung übernehmen, Ideen einbringen und erleben, dass ihre Stimme zählt.
Beteiligung als gelebte Praxis
Als Beteiligungsfüchse setzen wir genau hier an. Mit Formaten wie Klassenrat, Schüler*innenparlamenten und Lernen durch Engagement (LdE) schaffen wir Räume, in denen Demokratie praktisch erfahrbar wird. Kinder und Jugendliche lernen, Entscheidungen mitzutragen, Konflikte auszuhandeln und Verantwortung zu übernehmen – Kompetenzen, die weit über den schulischen Kontext hinausreichen.
Der Fachtag machte deutlich: Beteiligung ist kein Zusatzangebot, sondern ein Grundrecht und ein zentraler Baustein für demokratische Bildung und Gewaltprävention.
Fachlicher Austausch und praxisnahe Workshops
In den Workshops wurde intensiv daran gearbeitet, wie Partizipation nachhaltig verankert werden kann. Diskutiert wurden unter anderem:
- Kinderrechte im pädagogischen Alltag
- Partizipationsstrukturen in Schule und Jugendhilfe
- Beteiligung als Bestandteil von Prävention
- Empowerment und Geschlechtergerechtigkeit
Besonders wertvoll war der Austausch zwischen Fachkräften aus Kita, Schule und Jugendhilfe. Unterschiedliche Perspektiven wurden sichtbar, gemeinsame Herausforderungen benannt und Lösungsansätze entwickelt – etwa der Umgang mit Zeitressourcen, institutionellen Hürden und fehlenden Fortbildungsangeboten.
Workshop „Empowerment und Geschlechterrollen“
Ein besonderer Beitrag kam aus unserem eigenen Workshop „Empowerment und Geschlechterrollen“, den wir Fachkräften praxisnah vorgestellt haben. Ziel war es, unser erprobtes Konzept sichtbar zu machen, zur Reflexion anzuregen und gemeinsam zu überlegen, wie geschlechtersensible Arbeit langfristig in Einrichtungen verankert werden kann.
Unser Ansatz umfasst zwei Module:
- Kritische Männlichkeit für Jungen*
- Geschlechterrollen brechen, Selbstwert stärken für Mädchen*
In geschützten Räumen setzen sich die Teilnehmenden mit gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenzuschreibungen und Selbstbildern auseinander. Methoden wie Rollenspiele, kreative Übungen, Gruppendiskussionen und das „Beziehungsschiff“ fördern Selbstreflexion, soziale Kompetenzen und kollektive Perspektiven auf Geschlechtergerechtigkeit.
Die Rückmeldungen der Fachkräfte zeigten großes Interesse und machten deutlich, wie wichtig Empowermentarbeit für die Förderung von Selbstwirksamkeit und diskriminierungssensibler Praxis ist. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass nachhaltige Umsetzung Kooperation, Zeit und strukturelle Unterstützung erfordert.
Beteiligung schafft Zusammenhalt
Der Fachtag hat eindrucksvoll gezeigt, dass echte Beteiligung Freude macht, Gemeinschaft stärkt und Perspektiven eröffnet. Wenn junge Menschen erleben, dass sie gebraucht werden und ihre Ideen Wirkung haben, entsteht ein Miteinander, das demokratische Prozesse trägt.
Oder, wie es ein Jugendlicher formulierte: Beteiligung ist Zusammenhalt.
Unser Fazit
Der 5. Fachtag war ein Ort des Dialogs, der Vernetzung und der gemeinsamen Verantwortung für mehr Mitbestimmung. Er hat deutlich gemacht:
- Beteiligung braucht verlässliche Strukturen
- Fachkräfte brauchen Zeit, Austausch und Fortbildung
- Jugendliche brauchen Räume, Vertrauen und echte Entscheidungsmöglichkeiten
Empowermentarbeit gelingt dann, wenn Schule, Jugendhilfe und außerschulische Träger zusammenarbeiten. Genau darin sehen wir unsere Aufgabe – und freuen uns auf weitere Kooperationen, um Beteiligung und Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig zu stärken.

