Zu Beginn überwog die Skepsis in der 8. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Wilmersdorf.
„Ich habe mir diesen Workshop ganz anders vorgestellt“, räumte ein Schüler später ein. „Ich dachte, hier kommen Leute, die das Thema belehrend vermitteln.“
Doch statt trockener Theorie brachten wir von den Beteiligungsfüchsen mit unserem Projekt „Geschlechterrollen aufbrechen“ vor allem eines mit: eine Atmosphäre auf Augenhöhe. Weil wir altersmäßig nah an den Jugendlichen sind, war das Eis schnell gebrochen.
Der Einstieg führte direkt dorthin, wo es gerade besonders relevant ist: in die Welt der „Männercoaches“ auf TikTok und Instagram. Viele kannten diese Inhalte bereits und standen ihnen kritisch gegenüber – und doch wurde im Gespräch deutlich, warum sie so erfolgreich sind. Sie greifen gezielt Unsicherheiten auf, etwa Fragen nach Beziehungen oder Respekt, und bieten scheinbar einfache Antworten. Gemeinsam haben wir herausgearbeitet, wie solche Gefühle instrumentalisiert werden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Produkte zu verkaufen. Besonders intensiv wurde es beim Thema Wut: In einer Übung verglichen die Schüler:innen ihre eigenen Reaktionen mit dem Rat, den sie Freund:innen geben würden. Diese Perspektivverschiebung machte deutlich, wie herausfordernd Impulskontrolle im Alltag ist – und führte direkt in die Dynamik der Klasse.
Zunächst hielten sich viele noch zurück, doch nach und nach öffneten sich die Ersten. Es ging um verletzende Witze, abwertende Kommentare und ein starres „Statusdenken“, das es schwer macht, einmal entstandene Rollen wieder abzulegen. Dass schließlich ein Großteil der Klasse diese Erfahrungen teilte, wurde zu einem Moment der Ehrlichkeit und Solidarität. Der Workshop endete nicht bei Gesprächen: Gemeinsam entwickelte die Klasse neue Regeln für ein respektvolleres Miteinander und hielt diese verbindlich fest. Das abschließende Feedback zeigte, dass der Ansatz aufgegangen ist:
„Es war sehr überraschend – gerade beim Thema Geschlechterrollen hätte ich keinen so spaßigen Workshop erwartet. Wir sind alle skeptisch gekommen, aber ihr wart echt korrekt!“




