Interview mit Frau Tresenreuter: Ein Gespräch über Problembewältigung und Kooperationen

Armin

Zum Kontext: Seit Januar 2019 führt Frau Tresenreuter an der Otto-von-Guericke Oberschule ein „Lernen durch Engagement” – Projekt durch. Auf der Suche nach Unterstützung trat sie an Michael heran. Als “Best-Practice-Beispiel” für gelungene Kooperationsarbeit habe ich ein Interview mit Ihr geführt.

Verweis zu Lernen durch Engagement


A: Hallo Frau Tresenreuter. Schön, dass Sie da sind!

T: Sehr gern. Tatsächlich war ich bei dem ersten Projekt manchmal etwas frustriert. Es viele gab Eckpunkte, die nicht gepasst haben. Ich hatte mir sogar vorgenommen so etwas nicht mehr zu machen.

A: ..und jetzt sitzen wir hier gemeinsam und reden über Ihr tolles, zweites Projekt. Was glauben Sie, ist rückblickend schiefgelaufen und wie kam es aus der Frustration zu der Entscheidung, sich dem doch noch einmal anzunehmen?

T: Bei dem ersten Projekt habe ich mir unglaublich viele Gedanken gemacht. Ich habe mich in die Arbeit gestürzt ohne richtig zu gucken, passt das alles mit den Bedarfen der Menschen, auf die das Projekt abzielt? Kann ich das alleine überhaupt alles so umsetzen wie ich mir das vorstelle? Dazu war das alles nicht optimal kommuniziert, Unterstützung habe ich nur pointiert erfahren und auch gekümmert habe ich mich darum nicht recht.

Ich habe zumeist alleine versucht, alles zu schaffen und außerdem manchmal noch Menschen überreden müssen, damit Sie meinen Schülern überhaupt die Gelegenheit geben, sich zu engagieren. Das war etwas, was ich so nicht noch einmal erleben möchte.

Zu meiner Entscheidung, es doch noch einmal zu probieren hat mich Michael gebracht. Ich habe auf einer Netzwerktagung der Stiftung Lernen durch Engagement Ihm gegenüber von meinen Erfahrungen und Erlebnissen berichtet und irgendwie hat er mich mit einer sympathischen Hartnäckigkeit überzeugt. Da habe ich Ihm dann aber auch gleich gesagt, was ich dafür will und brauche. Ich habe Ihm klar gemacht, dass ich auf Unterstützung zählen können muss, wenn ich mich dem Service-Learning nochmal annehme.

A: Ja, dass Michael da überzeugend sein kann, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das klingt fast so, als hättest du dir für den zweiten Anlauf Bedingungen für das Projekt und vor allem den Prozess gesetzt? Sehe ich das richtig und gab es noch weitere?

T: Naja ja, in Teilen siehst du das richtig. Es gab für mich diese Bedingung, wenn ich das mache, dann nur mit gehöriger Unterstützung. Ich wollte nicht wieder alleine da stehen und das war eigentlich auch die einzige Bedingung.

A: Du hast dich also um Unterstützung bemüht. Wie sah die aus? Und was zeichnet für dich eine gute Kooperation aus?

T: Die Elternvertreterin unserer Schule, hatte zu mir mal diesen leichtsinnigen Satz gesagt “Wenn sie Hilfe brauchen, sagen Sie einfach Bescheid.” Den Satz darf man so nicht zu mir sagen und darauf habe ich mich dann auch berufen. Michael habe ich ja damals schon gleich an Ort und Stelle für mich gewonnen. Als klar war, dass die Klasse sich mit Mini-Chemie und Physikexperimenten auseinandersetzen will, habe ich ein bisschen recherchiert und bin auf die Jugendtechnik Schule Berlin gestoßen. Dieser Kontakt zu Volker Rother und seine Gunst waren so etwas wie ein Meilenstein für unser Projekt: Wir haben gemeinsam jede Woche einen Beratungstermin verabredet und er hat darüber hinaus passende Experimente herausgesucht – das war wie ein Segen.

Dazu gibt es ja immer auch junge Menschen wie dich, die solche Dinge ehrenamtlich unterstützen und daraus persönlich viel ziehen. So kam für den Tag im Anne-Frank-Haus sogar noch eine Frau von der Stiftung Lernen durch Engagement. Ansonsten habe ich noch unsere Schulsozialarbeiterin für mich gewinnen können.

T: Ich glaube das wichtigste, was es für eine Kooperation braucht, ist das indentifizieren von möglichen Kooperationspartnern, da muss man sich ganz bewusst Gedanken drüber machen.

Hat man genug Menschen um sich, liegt der Kern für mich in klarer Kommunikation. Natürlich muss man einander vertrauen können aber ich denke vor allem ist es wichtig, klar zu sagen was man erwartet, was man sich wünscht und was man vielleicht auch zurückgeben kann. Dazu ist es glaube ich wichtig, in ständigem Austausch zu stehen und sich gegenseitig immer wieder auf den neuesten Stand zu heben. Das ist ja in Zeiten der sozialen Netzwerke eigentlich keine große Herausforderung mehr.  Sich gegenseitig Rückmeldung zu geben und sich Zeit zu nehmen, Dinge zu reflektieren ist glaube ich immer von großem Mehrwert, so auch hier.

A: Danke dir für diese Einblicke! Zuguterletzt möchte ich nochmal, vielleicht auch im Sinne aller LehrerInnen, denen es wie dir beim ersten Mal Lernen durch Engagement ergeht oder ergangen ist, fragen: Hast du noch einen Tipp eine Empfehlung an unsere tollen LeserInnen da draußen?

T: Ich glaube es bedarf schon eines gewissen Standbeins in der Schule, einfach um die richtigen Hebel zu kennen an denen zu drehen ist, um sich den ressourcen annehmen zu können. Ansonsten braucht es verständlicherweise ein hohes Maß an Exkursionsfreude. Ein wichtiger Punkt ist glaube ich, auf Menschen zuzugehen und weitgehend schamlos klare Erwartungen und Wünsche zu formulieren. Es ist ja alles für eine gute Sache.

A: Frau Tresenreuter, ich danke Ihnen vielmals für das Gespräch!

T: Vielen Dank auch dir Armin!