Weil die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht am Schultor endet

Armin

– ein Gespräch, das kontrovers beginnt und in einem gemeinsamen Vorhaben endet

Den Ausgangspunkt für das gemeinsame Vorhaben und den Beginn aller Planungen für dem Fachtag markierte ein Gespräch, das bereits vor über 3 Jahren stattfand: Mit am Tisch saßen damals Siegfried Arnz der ehemalige Leiter der Abt I der Senatsverwaltung, Dr. Hans Ulrich Krause vom Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg , Kerstin Kubisch-Piesk vom Jugendamt Mitte, Lukas Wolff vom SV-Bildungswerk und Michael Siegel von der DeGeDe e.V., die sich gemeinsam mit der Frage beschäftigten, die auch auf dem letztendlichen Fachtag noch maßgeblich sein sollte:

Warum wird Partizipation und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen nicht selbstverständlich erlebt?

Einer der Hauptgründe für das Zusammenkommen dieser sehr diversen Gruppe, lag in der gemeinsamen Überzeugung, dass ein großer Hinderungsfaktor für das positive Erleben von Beteiligung und Partizipation in der ungenügenden  Kooperation zwischen vielen Feldern der Jugendhilfe und dem System Schule liegt.

Von Uneinigkeit und gemeinsamen Erkenntnissen

Das Gespräch war aufgrund dieser gemeinsamen Ansicht aber keineswegs ein Ausdruck von Einigkeit: Ganz im Gegenteil zeigte der Austausch zu Beginn vor allem die tiefe Verschiedenheit und die große Unterschiedlichkeit in der Auffassung über geeignete Maßnahmen oder Veränderungen.

Einen Moment des Näherkommens und des aufmerksamen Zuhörens folgte aber, als gelungene Projekte gegenseitig ausgetauscht und vorgestellt wurden. Hier wurde eines schnell klar: Es gibt bereits einige Einrichtungen und Formate, in denen Partizipation und Beteiligung in vorbildlicher Weise umgesetzt wird und erlebt werden kann. All diese Formen und Strukturen sind aber nicht die Regel, sondern Ausnahmen. Sie finden meist isoliert von anderen Bildungseinrichtungen statt und können oft nur unter Mehrkosten real werden.

Die Gunst-, das ehrenamtliche Engagement- und eine besondere pädagogische Haltung von Einzelnen ist dabei oft ein Kernfaktor, der vorhandene Strukturen oder ein gelingendes Projekt schnell wieder begraben kann. Wenn diese Einzelpersonen beispielsweise erkranken-, die Tätigkeit wechseln- oder in Rente gehen, besteht dann eine große Gefahr für das Fortwähren dieser gut funktionierenden Projekte und Strukturen.

Gelingende Projekte und Strukturen sind also vorhanden und werden real. Die Umsetzung geschieht aber nicht wegen, sondern trotz der vorhandenen und gegebenen Umstände und sind daher Einzelfälle, die oft von Einzelpersonen oder kleinen Personengruppen abhängen. Eine engere Zusammenarbeit, regelmäßiger Austausch und das Teilen handlungsleitender Überzeugungen und Erfahrungen zwischen Jugendhilfe und dem System Schule wäre also auch in der nachhaltigen Verankerung von gelingenden Projekten und Strukturen von erheblichem Mehrwert.

Partizipation und Beteiligung braucht lebensweltliche Perspektiven

Gelingende Beteiligungsmomente und funktionierende Partizipationsstrukturen ergeben sich erst durch die Beteiligenden und Partizipierenden. Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen endet weder am Tor der Schule- noch am Tor einer Jugendhilfeeinrichtung. Eine solche lebensweltliche Perspektive zu Ende zu denken heißt auch, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, wer einbezogen werden muss, wenn eigene und gemeinsame Ziele angegangen werden sollen.

Sowohl im Kontext Schule, als auch im Kontext der Jugendhilfe finden in der Überzeugung der besonderen Wichtigkeit von Partizipation und Beteiligung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen jeweils unabhängig voneinander große thematische Fachveranstaltungen zum Thema statt – fatalerweise jedoch ohne die Beteiligung des jeweils anderen Bereiches, geschweige denn der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, über deren Beteiligung sich ausgetauscht wird.

Dieses paradoxe Bild gab den Anlass über ein geeignetes Format nachzudenken, das den Anforderungen an eine solche Fachveranstaltungen gerecht wird: Schnell entstand die Vision eines Fachtages, der sich am Fachwissen von ExpertInnen aus den verschiedensten Kontexten der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bedient und dabei vor allem die Kinder und Jugendlichen selbst nicht vergisst – zentral war die Überzeugung, dass über Partizipation und Beteiligung  von Kindern und Jugendlichen nur gesprochen werden kann, wenn die Beteiligten selbst mit einbezogen werden.

Vorausgehende Texte:

Nachfolgende Texte:

Zwischen Ehrenamt und Profession – ein Planungsprozess voller Herausforderungen

Innovation und Freiraum: Wissenschaftlicher Diskurs unten, oben „die Chef(Innen)-Etage“– der Tag selbst

Gedanken, Statements und Ergebnissicherung – Was bleibt?