Fachtag für Partizipation & Beteiligung

Jesper

Auch wenn der Fachtag für Partizipation und Beteiligung bereits einige Wochen zurückliegt, lohnt es sich dennoch in der Rückschau auf die Veranstaltung die zahlreichen vielversprechenden Ansätze der Demokratiepädagogik, die hier im großen Rahmen gemeinsam diskutiert und reflektiert wurden, noch einmal neu zu betrachten. Im Zentrum des Fachtages standen die Fragen, welche Bedeutung und Chancen die echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen hat, warum Partizipation in unterschiedlichsten pädagogischen Einrichtungen nur zu selten im Sinne einer wirklich wertgeschätzten, selbstwirksamen Mitbestimmung erlebt werden kann und welche Gründe dies hat, also welche Hürden und Hindernisse für echte Beteiligung überwunden werden müssen und wie sich daraus Gelingensbedingungen formulieren lassen.

Um all diese verschiedenen Aspekte vor dem Hintergrund der konkreten Praxiserfahrungen der Teilnehmenden und mithilfe der breiten theoretischen Grundlagen von Jugendpartizipation und Demokratiepädagogik zu erfassen, gab es auf dem Fachtag unterschiedliche Programmpunkte, die dazu jeweils einen Beitrag leisteten. Die Vorträge und Videosequenzen gaben hierzu reichhaltige inhaltliche Impulse und das Austauschformat “World-Café ermöglichte es, über die Ausgangsfragen und das Gelingen von nachhaltiger und institutionell verankerter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in ein gemeinsames Gespräch zu kommen. Ein damit verknüpftes Ziel war es, über die fachliche Expertise und den Austausch in der Gruppe potenzielle Wege für eine gestärkte Kinder- und Jugendpartizipation auszuloten und gemeinsam erkannte Bedingungen für das Gelingen hierfür in einem Vorschlagskatalog festzuhalten.

In diesem kleinen Beitrag sollen einige Ergebnisse aus diesen gemeinsamen Diskussionsrunden der World-Cafés vorgestellt werden. In der ersten von fünf Runden beschäftigten sich die Teilnehmenden näher mit der Frage, weshalb Beteiligung von jungen Menschen in pädagogischen Einrichtungen oft nicht als selbstverständlich erlebt wird. Die aufgeführten Gründe hierfür bilden eine große Bandbreite ab. Erklärungen reichen von mangelndem Vertrauen in die eigene Kompetenz der Fachkräfte, über fehlendes Wissen und Informationen und daraus resultierenden Ängsten und Unsicherheiten, dem großen Aufwand bei begrenzten Zeitkapazitäten bis hin zur Beharrung im Status quo und strukturellen Aspekten, wie gegebene Machtverhältnisse, starke Hierarchien in einer von Erwachsenen erdachten Struktur oder auch der Ansicht unter Berufung auf schlechten Erfahrungen der Beteiligung von Kindern, es selbst schon besser zu wissen. 

Die zweite gemeinsam diskutierte Frage fokussiert darauf, was bei der Umsetzung von Partizipation gut funktioniert und warum dies der Fall ist. Diesbezüglich wurde in den Runden betont, dass es wichtig und eine klare Stärke sei, alle Beteiligten in den Prozess und die Planung mit einzubeziehen und das gut gelinge, wenn über den Rahmen der Partizipation Klarheit bestünde und dann auch alle Ideen ernst genommen würden. Dies fördere die Selbstständigkeit der jungen Menschen und ihre Rolle mitzugestalten. Ebenso sei der gemeinsame Austausch, die Aufklärung, Fortbildung und auch die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen bedeutsam, weil dies Grundbedingungen für echte Partizipation darstellten.

Die Rahmenbedingungen, die zu gelingender Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit beitragen, wurden daran anknüpfend in der dritten Runde diskutiert. Hier lässt sich herausstellen, dass besonders die Notwendigkeit der Machtabgabe von Erwachsenen an die jungen Menschen und die anerkennende Wertschätzung in ausgearbeiteten Feedbackstrukturen als zentrale Aspekte identifiziert wurden. Daneben sei es auch wichtig, dass die Fachkräfte motiviert und die Strukturen der Partizipation stabil seien, also die Handlungsräume klar definiert sind und der Prozess in einem Miteinander auf Augenhöhe begleitet wird. So können Regelmäßigkeit sowie Verlässlichkeit entstehen und Scheinpartizipation vermieden werden.

In der vierten Austauschrunde wurde der Frage nachgegangen, wie Hindernisse und Grenzen bei der Realisierung von partizipativen Ansätzen überwunden wurden. Der Fokus der Teilnehmenden lag hierbei stark auf einer gut strukturierten Kommunikation, der Notwendigkeit des gemeinsamen Austausches und dem umsichtigen Verbreiten von zentralen Informationen. Darüber hinaus sei es wichtig, ein Bewusstsein und eine offene Haltung für den partizipativen Charakter der Konzepte zu entwickeln und mit Transparenz, Offenheit, Mut und der nötigen Ausdauer kreative Ansätze auszuprobieren, was einem insbesondere durch eine offene und gute Fehlerkultur erleichtert wird. Ebenso würde es helfen, vorab gesellschaftliche Ansprüche zu formulieren, Vernetzungsarbeit zu leisten und darüber Verbündete zu finden, die eine gemeinsame Haltung teilen. Dabei lässt sich immer auch von den Kindern und Jugendlichen und ihren Expertisen lernen, was auch eng mit der Zielgruppenorientierung und der ständigen Selbstreflexion des eigenen Handelns verbunden ist. Potentielle Hürden lassen sich auf verschiedene Weisen begegnen und mithilfe unterschiedlicher Wege überwinden.

Den Abschluss der World-Cafés bildete die Frage, wie die guten Erfahrungen mit partizipativen Verfahren weitergegeben werden können und damit die positiven Beispiele als eine Art Vorbild verbreitet werden. Um dies zu schaffen, betonen die Teilnehmenden, dass es hierfür besonders auf den Austausch ankomme. Sowohl in kollegialer Form als auch zwischen den Fachkräften und den Adressat*innen wie auch insgesamt über eine breite und funktionierende Netzwerkarbeit oder auch ganz konkreten Hospitationen, die diese Best Practices anschaulich machen. In Ergänzung dazu seien Mentoring-Programme, verschiedene digitale Plattformen mit Beispielen wie auch die Verschriftlichung dieser Konzepte und Verfahren sinnvoll, um sie breiter und effektiver teilen zu können. Neben diesen Möglichkeiten sind es sicherlich gerade auch Veranstaltungen wie dieser Fachtag für Partizipation und Beteiligung, die das Thema groß machen, einen intensiven und produktiven Austausch darüber ermöglichen und Kinder- und Jugendpartizipation die angemessene und so wichtige große Bühne bieten.