Philsophieren in der Schule

1      Einführung in Theorie und Praxis des Philosophierens mit Kindern

Workshop für Lehrerinnen und Lehrer

Philosophie ist nicht die Sammlung ehrwürdiger Gegenstände oder schlauer Gedanken toter Männer, sondern eine besondere und, wenn es gut läuft, eine weniger reglementierte Weise, über die Welt und sich selbst nachzudenken. Kinder sind zwar nicht immer schon Philosophinnen und Philosophen, wie ein kitschiges Wort unterstellt; wohl aber sind die meisten Kinder dem philosophischen Verhalten näher als die meisten Erwachsenen: in ihrem Fragen, in ihrem  Nicht-Einfach-Hinnehmen, Sich-Anders-Vorstellen-Können, Auf-den-Kopf-Stellen und vor allem: im Spielen. Und das heißt: Lange bevor der Stoff der Philosophiegeschichte überhaupt gelehrt und gelernt wird, lassen sich in der Schule philosophierend Bildungserfahrungen machen.         

Der Tages-Workshop beleuchtet an fünf Themenbereichen  die Möglichkeiten des Philosophierens mit Kindern im Grundschulalter: Spiel / moralische Dilemmata / Phantasie und Utopie / Täuschung, Wahrheit und Erkenntnis/ Sprachentwicklung – Sprachverrückung.  Theoretische Reflexionen gehen bei allen Themen über in praktische Versuche und Übungen, die sich auch für den Unterrichtsalltag eignen.

2      Das ist doch ungerecht! – Philosophischer Workshop für Kinder der 3. und 4. Klasse

Ist es gerecht, wenn alle gleich viel vom Kuchen bekommen? Aber was ist, wenn einer gar keinen Kuchen mag? Wenn es allen gleich gut gehen soll (denn das wäre doch gerecht…), dann müssten wir die anderen doch krank machen, sobald einer krank wird.  Warum wollen wir das nicht? Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, wird meist mit Augenbinde oder blind dargestellt – aber weshalb gilt es als gerecht, nicht darauf zu achten, mit wem man es zu tun hat?  Sollten wir alle schwierigen Fragen lieber auswürfeln oder auslosen – einfach weil keiner von uns Menschen so fair und so schlau sein kann, zu entscheiden, was gerecht ist? Und ist es überhaupt gerecht, dass manche Kinder Philosophie-Workshops besuchen dürfen, während andere Kinder nicht einmal genug zu essen haben?

Der dreistündige Workshop führt anhand von Rollenspielen, Dilemmata  und Geschichten in das moralphilosophische Problem der Gerechtigkeit ein – ohne Antworten und Schlüsse vorzugeben. Die Kinder entwickeln selbst und gemeinsam Ideen für gerechte Verfahren, sie lernen Probleme  und mögliche, dabei untereinander kontroverse Antworten kennen. 

3      »Anerkennung« – zwischen Reflexion und pädagogischer Alltagspraxis

Workshop für Pädagoginnen und Pädagogen

»Anerkennung« ist geradezu ein Zauberwort der jüngeren Sozialphilosophie: Es verbindet psychologische Perspektiven (nur als in frühkindlicher Interaktion Anerkannte finden wir zum »Ich«) mit politischen (soziale Konflikte werden dann begriffen als Kämpfe um »Anerkennung«)  – und beides wiederum mit ethischen und gesellschaftskritischen Fragen: Wer sich »missachtet« erfährt, der beginnt, öffentlich zu streiten und zu argumentieren für Anerkennung, die ihm oder ihr zusteht. 

Vor allem ist »Anerkennung« stets wechselseitig: Jemand, um dessen Anerkennung ich kämpfe, muss von mir zugleich anerkannt werden – sonst wäre seine Anerkennung mir ja nicht so viel wert. In dieser Wechselseitigkeit liegt ein großes moralisches und pädagogisches Potential: Konflikte gelten in dieser Sicht nicht mehr als Gefährdungen zivilisierten, wertschätzenden Umgangs, sondern als dessen Medium: Ich muss Dich ernstnehmen, deine Anerkennung muss mir wichtig sein, damit ich mit Dir überhaupt streite. Aber auch: ich muss mit Dir streiten, damit ich Dich anerkenne – und Du mich anerkennst.

Für den Alltag in Schulen und pädagogischen Einrichtungen ist der Schatz, der in einem reflektierten Umgang mit »Anerkennung« liegt, noch nicht recht gehoben. Die Erziehungswissenschaft diskutiert zwar immer wieder Ideen von bekannten Anerkennungsphilosophen wie Axel Honneth und Paul Ricœur; sie bleibt darin aber doch ziemlich akademisch. Diesen fehlenden Brückenschlag versucht der Workshop.

In einem ersten Teil erarbeiten wir in Gruppen und anhand verschiedener Medien Grundzüge eines reziproken, konfliktbetonenden Anerkennungsbegriffs – in einem zweiten Teil sollen teils ausgewählte vorbereitete, teil von den Teilnehmerinnen geschilderte Konfliktkonstellationen aus dem schulischen Alltag auf ihre Anerkennungsaspekte durchdacht werden: Verstehen wir mehr, handeln wir anders, wenn ein philosophisch gehaltvoller Begriff von »Anerkennung« die pädagogische Selbstreflexion prägt?

4      Wie funktionieren Verschwörungstheorien – und warum sind sie so gefährlich? 

Tagesworkshop für Pädagoginnen und Pädagogen

Verschwörungstheorien boomen – nicht allein in der extremen Rechten oder unter AntisemitInnen verschiedenster Richtungen, nicht allein in der esoterischen Szene. Viele begegnen verschwörungstheoretischem Denken heute auch im Freundeskreis oder in der Familie. Und  viele begegnen ihm in der Schule. Manche zweifeln zudem selbst, ob nicht doch »was dran« sein könnte an den faszinierenden Erzählungen von den mächtigen, so  geheimen wie düsteren Strippenziehern im Hintergrund.

Eine häufige Erfahrung ist die Ohnmacht und Hilflosigkeit des Dagegen-Diskutierens angesichts des verschwörungstheoretischen Raffinements.  Denn Verschwörungstheoretiker schaffen es mitunter geradezu genial, jedes Gegenargument zum Beleg der eigenen Position zu machen: »So stark ist also die Lügenpresse, dass sie auch Dich schon umgepolt hat; siehst du…« Viele dieser Denkgebäude sind intelligent und detailreich konzipiert; die Verschwörungstheoretikerin weiß häufig zunächst »mehr« über ihren Gegenstand als ihre Gegnerin – und genau das weiß sie zu nutzen. Vor allem aber bedient sich die Verschwörungstheorie auf den ersten Blick genau jener Motive der Aufklärung, gegen die nun wirklich niemand etwas haben kann: den »Zweifel« am Etablierten, den Gestus der »Kritik«, das Misstrauen gegen Massenmedien, die feste Haltung, die eigene Meinung auch im Gegenwind noch zu verteidigen. Und schlimmer noch: In der Geschichte gab es ja fraglos immer wieder Verschwörungen; wer das leugnen wollte, hätte ohnehin gleich verloren. »Siehst du …«

Angesichts der strukturellen und psychologischen Stärken der Verschwörungstheorie helfen »Inhalte« und »Fakten« alleine wenig. Wer den wachsenden autoritären Gefahren verschwörungstheoretischer Propaganda  etwas entgegenhalten will, muss ihren Gestus, ihre Struktur und die in beidem liegenden Gewinnversprechen für ihre Anhänger in den Blick bekommen – und die Balken im eigenen Auge. Denn auch das gibt es: Die ungerechtfertigte Denunziation jeder unliebsamen Herrschaftskritik als bloße »Verschwörungstheorie«. 

Der Tagesworkshop für Pädagoginnen und Pädagogen widmet sich darum nicht dem Faktensammeln gegen verschwörungstheoretische Verlockungen und nur am Rande den Verästelungen verschwörungstheoretischer Gedankengebäude: Es geht stattdessen um das Wie der Verschwörungstheorie – dieses »Wie« müssen wir verstehen, um es bestenfalls zu entmachten.

Der Workshop besteht aus vier Abschnitten: Im ersten Teil erarbeiten wir gemeinsam an ausgewählten exemplarischen Quellen  wichtige Motive verschwörungstheoretischen Denkens. Im zweiten Teil versuchen wir uns, geleitet durch Fachtexte und kurze Impulse, an einer philosophischen und psychologischen Einordnung: Wie wird hier argumentiert; das heißt: welche »Fehler«, welche Eigenarten lassen sich am Maß philosophischen Wissens über das Schließen und Argumentieren erkennen; welche psychologischen Gewinne liegen in diesem »Wie«? Was ist der Unterschied von Verschwörungstheorie und »Gesellschaftskritik«?

Der dritte Teil unternimmt dann die Probe aufs Exempel: Kleingruppen machen sich daran, selbst eine erfolgversprechende Verschwörungstheorie auszuhecken. Was wären gemessen am bis dahin Erarbeiteten die Bedingungen ihres Erfolges und ihrer Verbreitung? Wie ließe sie sich optimieren? Was ließe sie zusammenbrechen? Die letzte Phase soll dieses Praxiswissen dann wieder der Aufklärung dienstbar machen: Wir diskutieren zielgruppenspezifische Materialien und pädagogische Konzepte gegen Verschwörungstheorien, wir bewerten und ergänzen sie; und wir halten Argumentationsstrategien für den eigenen pädagogischen Alltag fest.

5      Mündigkeit – was wäre das eigentlich?

Workshop für Lehrerinnen und Lehrer

Die Idee der »Mündigkeit« ist ein Dauerbrenner des Redens über Bildung. Wenn es gut läuft, verbindet sie verweisungsreich und für PädagogInnen richtungsweisend Autonomie,  politischen Antitotalitarismus, demokratische Partizipation, subjektive Selbstverantwortung durch Bildung und auch gelungenes Erwachsenwerden. Wenn es schlecht läuft, gerät sie zur bloßen Phrase. In den letzten Jahren verbreitet sich mancherorts nicht ohne Anlass ein Überdruss an der bloßen Floskel von der  »Mündigkeit«. Der Workshop macht sich daran, den kritischen Stachel und das praxisverändernde Potential von »Mündigkeit« gegen solche Erstarrungen zurückzugewinnen.

»Aufklärung« sei der Ausgang des Menschen aus seiner »Unmündigkeit« heißt es bei Kant –  doch wer maßt sich eigentlich an, andere  »aufzuklären«? Ist der Schulalltag nicht immer wieder vom Paradox gekennzeichnet, dass, wer Mündigkeit einfordert oder didaktisch anstrebt, schon in dieser Konstellation des Forderns und Didaktisierens Unmündigkeit verlängert? Und wenn LehrerInnen von einer gelungenen Stunde berichten, alle hätten so wunderbar »mitgemacht«, dann ist das unter Mündigkeits-Aspekten zumindest doppelbödig: Ist Mündigkeit doch, beispielsweise bei Theodor W. Adorno,  eher die Fähigkeit zu begründetem Nicht-Mitmachen.  Besonders schwierig scheint das Verhältnis von Mündigkeit und Autorität: Dass immer und überall die »Autorität« bloß das schlechte Gegenteil von »Mündigkeit« sei, dass gar »Mündigkeit« sich einstelle, wo Autorität schwinde, dessen ist sich heute wohl kaum jemand noch ganz sicher. Zu häufig folgt der Autorität der Lehrperson das »Recht« des Lauteren, Stärkeren – und die soziale Norm des Kollektivs, häufig vermittelt durch neueste Medien.

Der Workshop gliedert sich in drei Arbeitsphasen, jeweils unterbrochen von selbstreflexiven  Zwischenspielen: Im ersten Teil verschaffen wir uns anhand verschiedener Medien und Quellen einen Überblick über Deutungsangebote und Kontroversen zur »Mündigkeit«.  In einem zweiten Teil hören wir zusammen und abschnittweise längere Passagen aus dem berühmten Gespräch zwischen Theodor W. Adorno und Hellmut Becker (»Erziehung zur Mündigkeit«) und erarbeiten uns schrittweise die Stärken und Schwächen der dortigen Forderungen. Der dritte Teil vergegenwärtigt ausgiebig Szenen und Situationen des Schulalltags: zum Teil werden diese von den Teilnehmerinnen selbst eingebracht. Wir diskutieren pädagogische Handlungsoptionen in diesen Situationen – am Maß einer  »Mündigkeit«, die vielleicht doch mehr sein könnte als eine Floskel.