Die Grundlagentage 2020 von außen betrachtet – ein Erlebnisbericht

Zur Autorin: Regine Leonhardt arbeitet in München als Projektleiterin für Lernen durch Engagement bei der Stiftung Gute-Tat München & Region. Bei den diesjährigen Grundlagentagen war sie als hochinteressierte Besucherin mit dabei.

„Danke, dass ich die Gelegenheit hatte, als Zaungast an den LdE- Grundlagentagen an der Max- Beckmann-Oberschule teilzunehmen. Der Einblick in Euer großes Format war für mich wirklich sehr bereichernd. Nicht nur, weil ich wirklich sehr beeindruckt bin von Organisationsaufwand, Einsatz und Umsicht, mit denen Ihr diese Mammutaufgabe bestreitet. Das bisherige Konzept auch noch unter Corona- Bedingungen zu modifizieren und so verantwortungsvoll durchzuführen, verdient den allerhöchsten Respekt!

Das (…) Konzept (…) unter Corona- Bedingungen zu modifizieren und so verantwortungsvoll durchzuführen, verdient den allerhöchsten Respekt!

Ich fand es sehr beeindruckend zu sehen, wie Lehrkräfte und ihre Klassen sich gemeinsam auf den Weg machen und gleichermaßen fortgebildet werden, um sich dann in den verschiedensten Konfigurationen der konkreten Projektarbeit zu widmen. Dass die Schule dabei auf die frei einsetzbaren „SaS- Stunden“ zurückgreifen kann, macht das Ganze aussichtsreich, – leider fehlt unseren Lehrkräften oft an zeitlichen Freiräumen, um sich der Aufgabe gewachsen zu sehen, neue Wege der Unterrichtsgestaltung zu beschreiten.

Das ist eine Beziehung, die nicht nur in Projekten, sondern in allen Unterrichtssituationen wirksam ist.

Ich habe mich als Beobachterin sehr willkommen gefühlt und durfte ab Mittwoch mit durch die Aktionstage gehen. In Bayern gibt es das Modell der Gemeinschaftsschule nur sehr vereinzelt an wenigen Experimentierorten und ich hatte selten die Möglichkeit, so extrem heretrogene Lerngruppen beobachten zu dürfen. Deshalb hat es mich auch besonders beschäftigt, wie unterschiedlich die Einzelnen sich mit dem Dargebotenen auseinandergesetzt haben und wie sehr dies mit der Interaktion der Lehrkräfte mit ihren Klassen in Verbindung stand. Natürlich ist das eine Beziehung, die nicht nur in Projekten, sondern in allen Unterrichtssituationen wirksam ist. Aber in Kombination mit LdE wird die Haltung von Lernbegleiter*innen gegenüber ihren Schüler*innen noch wesentlich bedeutsamer, wie mir scheint. Lehrkräfte haben ja hier die Herausforderung, ihre Rolle und ihren gewohnten und erprobten Unterrichtsstil temporär zu verlassen, weil sie ihren Schüler*innen sehr viel mehr Verantwortung für Organisation und den eigenen Lernprozess übertragen als üblich, und weil sie ihren Unterricht für die Dauer der Projektphase der Logik der Lehr- und Lernmethode LdE entlang planen müssen. Sie brauchen also nicht nur das Zutrauen in das Format, sondern auch zu (eventuell noch unentdeckten) Potenzialen der Heranwachsenden. Sie müssen wirklich glauben, dass diese in der Lage sein werden, sich interessante und wertvolle LdE- Projekte auszudenken und dass sie es auch schaffen, sie mit guter Begleitung und einem an die Klassen pädagogisch angepassten Maximum an Eigenregie durchzuführen.

„Reflexion (…) immer wieder zu üben und, gepaart mit echter Partizipation, regelmäßig einzusetzen, ist für alle Beteiligten Herausforderung und Chance zugleich.“

Die Überzeugung Aller, dass die Jugendlichen immer stärker in die Verantwortung hineinwachsen können und jedes Individuum einen adäquaten Beitrag leisten kann, ist essentielle Gelingensbedingung und setzt den Rahmen für die Flexibilität, am Ende ganz verschieden große und kleine, schlichte oder komplexe Projekte verwirklicht zu haben. Umso wichtiger, dem Qualitätsstandard Reflexion in LdE viel Raum zu geben! Reflexion in jedem Stadium des Projekts immer wieder zu üben und, gepaart mit echter Partizipation, regelmäßig einzusetzen, ist für alle Beteiligten Herausforderung und Chance zugleich, das ist mir in den Tagen mit Euch immer wieder aufgefallen. Vor allem diejenigen, die nicht leicht zur Sprache finden und deren Selbstbild brüchig ist, bekommen durch die stete Praxis nach und nach ungeahnte Räume für Beteiligung und Ausdruck.

Es war wunderbar zu sehen, wie Jugendliche ihre „Pitches“ geübt haben, für ihre Ideen warben und mit jedem Kontakt an Selbstsicherheit und eigener Überzeugung gewannen.“

Ich nehme viele Impulse und Eindrücke mit aus Berlin. Ganz besonders ist mir der „Markt der Möglichkeiten“ im Gedächtnis geblieben, wo trotz strömenden Regens sehr interessante Begegnungen der Gruppen mit den potentiellen Partnerorganisationen stattgefunden haben. Die Offenheit der Erwachsenen, ihre Neugier auf die Ideen der Schüler*innen, ihre Anerkennung für erste Projektentwürfe und die Bereitschaft zu kooperieren haben an diesem Vormittag ganz komprimiert für vielversprechende Verknüpfungen gesorgt und Vertrauen aufgebaut. Und es war wunderbar zu sehen, wie Jugendliche ihre „Pitches“ geübt haben, für ihre Ideen warben und mit jedem Kontakt an Selbstsicherheit und eigener Überzeugung gewannen. 

Danke, dass ich dabei sein durfte! „

Regine Leonhardt
Projektleiterin „Lernen durch Engagement“ Stiftung Gute-Tat München & Region