Die erste Teamenden- und Multiplikator*innenfortbildung zur Demokratieförderung in pädagogischer Praxis bei Beteiligungsfüchse

Eine Woche der Selbsterfahrung – voller Emotion, Gefühl und der Beschäftigung mit pädagogischen Grundhaltungen, Werten und der eigenen Biographie

Ende Januar fand in der Eventus-Fachschule unsere erste Fortbildung zum, beim DRK entstandenen, Curriculum “Was MACHT Was?!” statt. Insgesamt haben elf zukünftig Teamende aus unterschiedlichsten Hintergründen und Altersklassen mit teils tiefen und spannenden Coaching-, Beratungs- und pädagogischen Vorerfahrungen teilgenommen. Gestartet haben wir am Montag mit den beiden Dozent*innen – Krystina Dombrowe und Michael Siegel. Daneben hat ebenfalls Elisabeth Junk einen wichtigen Beitrag zu dieser gelungenen Woche geleistet. Michael Siegel war durch das parallel laufende Wildnis-Wintercamp an der Max-Beckmann-Oberschule nicht die ganze Woche dabei 

(zum Wintercamp findet ihr auch einen Beitrag auf unserer Website)

“Herzlich Willkommen!”

Nachdem alle Teilnehmer*innen eingetrudelt waren und von mir mit Kaffee und Tee versorgt worden sind, ging es inhaltlich mit dem Ablauf und den Rahmenbedingungen los. Danach ging es ins Kennenlernen über ein Interview mit einer bis dahin noch fremden Person. Das war spannend, weil es zunächst darum ging zu assoziieren, wie das Gegenüber wohl ist und wie es auf die Fragen zum Kennenlernen antworten würde. Anschließend hat der/die Partner*in das Gegenüber vorgestellt. Es war schön zu sehen, wie offen und divers die Gruppe ist.

Nachdem der Vormittag geschafft war und sich alle beim Mittag gestärkt hatten, ging es mit dem ersten Einstieg zum Thema Adultismus und Macht in Beziehungen los – ein wichtiges Thema, da es in aller Regel die erste Diskriminierungserfahrung ist, mit der jeder Mensch konfrontiert wird. Nach einer allgemeinen Klärung des Begriffs wurden typische Sätze als Impulse aufgezählt und gemeinsam gesammelt, die zu uns gesagt wurden, weil wir ein Kind, ein Jugendlicher oder ein junger Mensch waren. Dazu wurde in Kleingruppen über die Gefühle gesprochen, die bei jeder einzelnen Person mit diesem Satz in Verbindung stehen. Schließlich ging es um die Folgen, die sich teilweise bis in die Gegenwart auswirken. Bemerkenswert war, dass die Sätze oder auch Gesten vorrangig negative Gefühle ausgelöst haben, wobei das Spektrum an Emotionen, die damit in Verbindung stehen, insgesamt sehr vielfältig war. Außerdem war beeindruckend, mit welch einer Offenheit und Empathie sich die Teilnehmenden begegneten.

Um noch tiefgehender die eigene Biografie zu reflektieren und den Körper dabei in Bewegung zu halten, wurden in den Räumlichkeiten vier Impulsfragen verteilt, die jeweils in wechselnden Konstellationen besprochen wurden. Auch hier waren die aufkommenden Gefühle sehr individuell, jedoch konnten die meisten mit einem wirklich guten Gefühl aus dem Tag gehen.

Ab dem zweiten Tag begaben sich die Teilnehmer*innen abwechselnd in die Position des Teamenden und die Dozenten agierten zeitweise als Moderation oder als Lernende. 

Zweieinhalb Wochen vor der Fortbildung bekamen nämlich alle Aufgaben zugeteilt, welche sie mit einem/einer Partner*in der Gruppe präsentieren bzw. moderieren konnten. Dazugehörig gab es ein Handbuch welches als Leitfaden diente. Passend dazu sagte eine Teilnehmerin den schönen Satz: “Dieses Buch soll nicht als Bibel, sondern eher als Knetmasse gesehen werden”. So wurde es auch von den meisten behandelt.  Manche teamen seit Jahren und haben schon ihren eigenen Stil gefunden, wohingegen manche noch sehr wenig Erfahrung haben und noch ihren Stil finden müssen.  Daraus konnte viel gegenseitiges Nehmen und Geben stattfinden, aber auch viele Unsicherheiten und Widerstände wurden so ausgehalten und ausgetragen.

Den Einstieg fand unter Einbezug des im DRK-Curriculum befindlichen Moduls “MACHTvoller Einstieg” statt, gefolgt dem ebenfalls im DRK-Curriculum befindlichen Modul ”WERTvoll” wo es um den Unterschied von Lob und Wertschätzung ging und aus welcher Motivation heraus gelobt oder wertgeschätzt wird.  Die Durchführung der Methoden zur Wertschätzung zogen sich im Übrigen durch die gesamte Woche und stifteten etwas Verwirrung bei manchen. Auch wenn es darum explizit nicht gehen sollte, kamen viele doch scheinbar immer wieder auf die Fragen nach Richtig und Falsch zurück. Wann lobe ich, wann wertschätze ich und wann ist es das eine und wann das andere? – waren weitere Fragen, um die es da ging.

Passend dazu begann Donnerstag eine vertiefende Auseinandersetzung einhergehend mit den Begriffen Lob, Schuld und Strafe, mit dem berühmten Zitat von Rumi: “Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns”. Ziel war nicht, einen Handzettel mit Antworten auf alle Fragen zu erstellen, sondern zu sensibilisieren und zum Hinterfragen anzuregen. Beim zweiten Teil am Dienstag machten wir es uns in der Fürsorge für uns selbst bequem.  Auch ein Thema, welches sich durch die gesamte Woche zog und teilweise unbequem werden kann. Wie geht es mir gerade? Warum fühle ich so? Wo ist meine Grenze? Kann ich mir das gerade zumuten? Was brauche ich von den anderen? Auf diesen Prozess des Explorierens hat sich die Gruppe wunderbar eingelassen und konnte durch eine konstruktive und wertschätzende Haltung zueinanderfinden. 

Die Rechte der Kinder haben den ganzen Mittwoch in Anspruch genommen. Hier gab es spannende Einblicke, was tatsächlich im Gesetz verankert ist und dazu einen wichtigen Input zur Kindeswohlgefährdung.

Den vorletzten Tag wurde viel über “Demokratie & Partizipation” und damit verknüpften Erlebnissen aus unserer Jugend und Kindheit reflektiert. Hier hat man wieder gemerkt, wie wichtig das Reflektieren der eigenen Biografie ist, um mögliche Verhaltens- oder Denkmuster verstehen zu können und diese zu überdenken.

Am letzten Tag hatten erlernte Muster noch einmal Raum bekommen, da in der Durchführung Widerstände aufgetreten sind, die ausdiskutiert wurden. Daraus ist in manchen Köpfen etwas Frust entstanden, für andere wiederum eher ein Gefühl der Befreiung, die eigenen Gedanken ausdrücken zu können. Im Laufe des Prozesses konnten wir uns auf gewisse Vereinbarungen einigen, wie z. B. in Form eines sogenannten Parkplatzes für Themen, die nicht sofort behandelt werden konnten, im Seminar aber Platz finden sollten. So konnten alle Widerstände, Anregungen und Fragen geparkt werden, die sich auf die Metaebene beziehen, um den Moderierenden die Möglichkeit zu geben ihr, mit teils großer Tiefe und Akribie erarbeitetes, Modul durchzuführen. 

Nachdem wir unseren Parkplatz zunehmend leeren konnten, gab es eine finale Feedbackrunde zur vergangenen Woche. Die Teilnehmenden lagen sich in den Armen und blickten auf eine bereichernde Zeit zurück. Wir haben viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und sind froh, dass sich die allermeisten eine zukünftige Zusammenarbeit vorstellen können. Beteiligungsfüchse hat damit einen tollen Grundstein dafür gelegt in Zukunft auf sehr vielversprechende angehende Demokratie – Trainier*innen für unsere Begleitung von Einrichtungen zurückgreifen zu können. Die, die das wollen, werden nun im Tandem mit einer ausgebildeten Trainer*in dafür eingesetzt. 

Für die hinterfragende, aufmerksame und scharfsinnige Haltung unserer Teilnehmenden möchten wir uns auch hier nochmal ganz herzlich bedanken!

Ein Erfahrungsbericht von Kirill Romanov